Launige Verse                                                                       (Thomas Appius)

    An diesem Tage (16. Dez. 1890) fanden sich die Sängerbrüder zu einer gemütlichen Vereinigung zusammen, infolge einer hochherzigen Einladung unseres werten Ehrenmitgliedes Herrn Gnipper, zum „Rössli“, der uns zu einem Blutwurstschmaus einberief. Dieser Abend, der sich wie man sagen hörte, teilweise bis zu ziemlich vorgerückter Stunde ausdehnte, nahm einen urgemütlichen Verlauf, namentlich boten die humoristischen Verse Herrn Lehrer Hangartner’s ein heiteres Intermezzo. Was nun die Blutwürste anbetrifft, fanden dieselben ungeteiltes Lob; denn unser freundlicher Gastgeber hatte es verstanden, sie in anerkennenswerter Weise durch Hasenpfeffer zu ersetzen.  Damit das Hangartner’sche Epos für die Nachwelt nicht verloren geht, folgt hier dessen Abschrift:  

Gnipper lud zu einem Schmaus
Uns auf heute in sein Haus.
Anfangs drohte ihm Gefahr,
weil der Chor sehr hungrig war. 


Unser lieber Präsident,
ist ein Tausendsapperlent,
denn er ist der Bertha gut,
und empfindet Liebesglut. 

 

Vicepräsis sei so gut
Und gib Acht was Otto tut,
denn an ihm hängt der Verein,
wie ein Kind am Mütterlein.

 

Schwegler ist nun Aktuar,
was bis jetzt noch nie er war.
Lächelnd trägt er alles ein,
was sich zuträgt im Verein. 

 

Huber mit der Sangeslust,
sinkt dem Liebchen an die Brust.
Dort beim lieben Schätzelein,
lässt er Noten Noten sein. 

 

Edmund, unser Junggesell,
avancierte ziemlich schnell.
Ohne Ehrgeiz wurde er,
wohlbestallter Beisitzer. 

 

Emil Raschle in Wattwil,
hält auf’s Kneipen nicht sehr viel.
Aber letzten Donnerstag,
war er auch von unserm Schlag.  

 

Pozzi ist ein Wundermann,
weil er Austritt dann und wann.
Weil er stammt aus dem Tessin,
singt er komisch,hin ist hin. 

 

Unser Bibliothekar,
traut nicht seiner Sängerschar.
Mancher hat ein Buch zu Haus,
leider gibt er’s nicht heraus. 

 

Gehrig  mit der lieben Ros’,
hielt sich jüngstens ganz famos,
denn sein erster Töchterlein,
musste stark verschwellet sein. 

 

Hess er liebt sein „Hausgerät“,
morgens früh und abends spät.
Wenn wir aber ziehen aus,
lässt er sein Freud’ zu Haus.  

 

Arnold Zeller, Musikus
bringt uns manchen Hochgenuss.
Denn er spielt den Dudelsack,
Für ein ganzes Lumpenpack. 

 

Paul Huber, der Kupferschmied,
singt zuweilen gern ein Lied.
Kommt er aber einst zu Fall,
schwindet auch die Ruhmeshall. 

 

Heisst ein Land Italia,
dahin zog der Schwegler ja.
Doch ein echtes Liebesband,
knüpft er nur im Vaterland.  

 

Unser Jakob Lenggenhager,
jagt zuviel und wird drum mager.
Wenn das Wild geniesst die Ruh,
nimmt er aber wieder zu. 

 

Schuster Grob vom Glarnerland,
klettert an der Felsenwand.
Alpenros’ und Edelweiss,
bringt uns oft die Klettergeiss. 

 

Bertha mit dem süssen Mund,
bleibe stets so kern gesund!
Sie ist unsre schönste Zier,
und darum gefällt sie mir. 

 

Und nun geht mein Liedlein aus,
aber gehet nicht nach Haus.
Denn bei diesem guten Wein,
wollen wir zufrieden sein.