Fasnacht und Maskenbälle                                                 (Thomas Appius)

Am 8. Febr. 1857 wird beschlossen, die Gesangsstunde am Fasnachtssonntag einzustellen. Dagegen soll am Donnerstag ein sogenannter „Nidelschmaus“ die trockenen Sängerkehlen erfrischen. Diese „Faschings-Nidelfreude“ verlief in ungestörter Heiterkeit ohne irgend einen Misston. Gesang, Spiele und Deklamationen lösten einander in ununterbrochener Reihenfolge ab. Am Fasnachts-Sonntag der 3 folgenden Jahre wird diese fröhliche und gemütliche Unterhaltung wiederholt. Die Sänger erscheinen nun in Trachten und Kostümen zu einem fröhlichen Schmaus oder „Picnic“. Die mitgebrachten und die im „Schäfle“ selbst zubereiteten Speisen und Weine werden mit gesegnetem Appetit und unter vielen Spässen konsumiert und an Witzen fehlte es jeweils nicht bis zu vorgerückter Stunde. Der Sänger und begnadete Zeichner Theodor Lanz verewigte jeweils die Teilnehmer in einer Karikatur und die prosaische Ader des Aktuars setzt dazu die humorvollen Verse. Im Bestreben, nach der unseligen Kriegskatastrophe mit ihren vernichtenden Folgen auch in Wattwil dem Fasnachtstreiben neue Impulse zu verleihen, führt der Männerchor am 7. Febr. 1948 zum ersten Mal einen grossen Maskenball durch. Warnungen, der Männerchor könnte mit der Durchführung des Maskenballes auch Sympathien verscherzen, bewahrheiteten sich nicht. Im Gegenteil! Während 25 Jahren brachte der Männerchor-Maskenball nicht nur Leben in das Faschingstreiben, sondern dem Verein auch willkommene Einnahmen. Von 1948 bis 1963 war der Volkshaus-Saal Treffpunkt des fasnächtlichen Treibens. Probleme mit dem damaligen Wirt (Umsatzbeteiligung), die grossen Aufwendungen für Saal, Bühne und Feuerwehr, sowie der enorme Dekorationsaufwand einerseits und das kleinere finanzielle Risiko, weniger Aufwand für Dekorationen und eine gemütlichere Atmosphäre anderseits, waren die Gründe, den Anlass vom Volkshaus in die „Toggenburg“ und ab 1966 in die beiden Gasthöfe „Toggenburg“ und „Jakobshof“ zu verlegen.  

Jahr

Maskenball-Motto     

Jahr

Maskenball-Motto     

1948 Masken-Parade 1961 Olympia
1949 Eine Nacht im Orient 1962 Im Märchenland
1950 Im sonnigen Tessin 1963 Carneval in Rio
1951 Mondraketen-Fahrt 1964 Wilhelm Busch
1952 Schiff ahoi 1965 Auf zum Hexensabbat
1953 Wattwil anno 2000 1966 Wer soll das bezahlen?
1954 Zirkusleben 1967 Mini im Dschungel
1955 Moulin rouge 1968 Die gute alte Zeit
1956 Maskenball in Rio 1969 Mars ruft Wattwil
1957 Zauber der Südsee 1970 Karneval International
1958 Das isch modern 1971 Circus Party
1959 Maskenball im Urwald 1972 Dorfchilbi
1960 Chrüsimüsi 1973 Dschungel-Fieber

  Leider werden dann die bisher treibenden Kräfte im Männerchor amtsmüde und der zur Tradition gewordene Männerchor-Maskenball verschwindet im Jahre 1973 im Veranstaltungskalender. Als dann in den folgenden Jahren die Chrummbach-Häxen das fasnächtliche Treiben im Turnus von 2 Jahren mit einem Fasnachts-Umzug wieder belebte, regte sich bei den jungen Sängern das Fasnachts-Fieber wieder. Im Jahre 1987 beteiligt sich der Männerchor zum ersten Mal am Fasnachts-Umzug und errang gleich mit dem Sujet-Wagen „Schweizer-Skiwachs-Spezialisten“ den 1. Preis. Spätere Mottos waren: 1989: „E’ Kopp’ige Sach – Geldwäscherei“ (1. Preis), 1991 keine Teilnahme, 1993: RTL-Traumpaar (1. Preis), 1995: „Letters des European-.Kings-Club“, 2003: „Heberlein - Heimatschutz gegen Abbruch“.